Teilung der Firma
Kurz nach dem Krieg war es nur eine Frage der Zeit, bis die Firma J. Eberspächer wieder normal funktionieren würde. Aufträge für die Instandsetzung von durch den Krieg zerstörten Gebäuden konnten nicht lange auf sich warten lassen. Die Glasdachproduktion wurde anfänglich durch die Fertigung von Sparherden, Puppenherden, Baukästen, orthopädischen Prothesen, Blechkisten und Reisekoffern aus Leichtmetall begleitet, kurzum von Erzeugnissen, welche in der Zeit unmittelbar nach dem Krieg Perspektiven boten.

Die Automobil- und Flugzeugindustrie hatten sich noch nicht erholt, und damit standen auch Abgassysteme und Teile für Flugzeugmotoren nicht auf dem Programm. Die Situation war selbstverständlich alles andere als einfach, denn alle Aufträge waren von Rohstoffen abhängig, deren Mangel einen in den ersten Monaten verzweifeln ließ. Zudem waren beide Inhaber von der Leitung ihrer Firma suspendiert worden, stattdessen leitete ein von der Militärregierung eingesetzter Treuhänder. Dieser Zustand hielt bis Ende 1947 an, als die beiden Brüder an die Firmenspitze zurückkehren konnten.

Im Alter von 70 Jahren überließen sie ihre Positionen und die Verantwortung ihren Söhnen, insbesondere die anstrengenden Geschäftsreisen. Auf einer dieser Reisen kam 1950, bei einem Verkehrsunfall, der erst 45-jährige Dr. jur. Richard Eberspächer ums Leben. Geschäftliche Angelegenheiten übernahm nach ihm sein Bruder Ing. Walter Eberspächer. Seinen Sohn Richard überlebte Adolf nur um kurze Zeit. Er starb 1951, womit sein Bruder Paul zur führenden Persönlichkeit der Firma J. Eberspächer wurde.


Dr. Richard Eberspächer.

Helmut Eberspächer trat 1945 in die Firma ein und war zwischen 1950 und 1988 Präsident der Gesellschaft. Heute steht er dem Firmengremium vor.
Zu Beginn der fünfziger Jahre wendete sich die Situation in Deutschland zum Besseren. Damit die Firma unter den neuen Bedingungen prosperieren konnte, musste der Markt genau analysiert werden, das Produktionsprogramm und Ziele definiert werden, die man erreichen wollte. In jener Zeit umfasste das Hauptwerk in Esslingen 25 000 Quadratmeter Fläche. Binnen fünfzehn Jahren vergrößerte sie sich auf das Doppelte, weitere Tochtergesellschaften umfassten 162 000 Quadratmeter. Das Familienunternehmen J. Eberspächer befand sich auf dem richtigen Kurs. 1951 gelang der Erwerb der Firma Schoppmann im westfälischen Hagen, welche ebenfalls im Bereich der Dachverglasung tätig war. Damit konnte Eberspächer das Wirkungsfeld mit 80 neuen erfahrenen Angestellten auch auf Norddeutschland ausweiten. 1960 erwarb man in Neunkirchen bei Saarbrücken vom Bundesland Saarland die Firma MENESA, in welcher von nun an Abgasschalldämpfer hergestellt wurden. Es wurde die Keimzelle des heute größten Eberspächer-Werkes mit fast 2000 Beschäftigten. Als würde sich die Situation der frühen Dreißiger wiederholen: bei Eberspächer entstanden erneut zwei Bereiche und die Firma stand damit – bildlich gesprochen – auf zwei Beinen. Das erste Standbein „Bau“ war die Fortführung des traditionellen Produktionsprogramms. Neben Glasdächern richtete sich die Firma auch auf Belüftung und Geräuschdämpfung aus und begann als erste, Doppelverglasung anzubieten. Glas kam nicht nur auf den Dächern zum Einsatz, sondern auch in den Senkrechten von Gebäuden und als großflächige Fassaden großer öffentlicher Industriegebäude, von Fabriken bis zu Elektrizitätswerken.

Die zweite Abteilung hieß „Geräte“ und beschäftigte sich mit den übrigen Aktivitäten, namentlich mit der Erweiterung der Produktpalette. Diese Gliederung war eine logische Reaktion auf die Situation im Lande. Die Automobilindustrie befand sich im Aufschwung, womit auch das finanzielle Potential der Gesellschaft erhöht wurde. Es ist allgemein bekannt, dass mit dem Wachstum von Automobilfabrikanten auch die Zulieferindustrie anwächst, welche die Produzenten mit unterschiedlichsten Komponenten beliefert. Deren Forschung und Entwicklung würde selbst die größten Automobilfabriken überfordern. Zündung, Batterien, Stoßdämpfer, Kühler, Scheinwerfer und weitere Komponenten, inklusive Abgasschalldämpfer, gehören in die Domäne der Zulieferer. J. Eberspächer war einer von ihnen und belegte einen der vordersten Plätze, und dies in drei Produktkategorien – mit Abgasschalldämpfern, Fahrzeugheizungen und Abgasturboladern.

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