DIE EBERSPÄCHERS – Wärme unter einem Dach
Wenn Sie Karel Loprais fragen würden, wie viele verschiedene Rallye-Tatras er in fast zwanzig Jahren auf allen seinen Wüstenabenteuern in Afrika und Asien gefahren hat, würde er lange zählen. Würden Sie ihn fragen, was die Fahrzeuge miteinander gemein hatten, müsste er ohne nachzudenken sagen: die Aufschrift „Eberspächer“ über dem Kabinenfenster. Diese deutsche Firma ist seit bereits fast einem halben Jahrhundert mit der tschechischen Automobilindustrie verbunden und dieser Bund ist in vieler Hinsicht beachtenswert. Noch beachtenswerter ist die Geschichte dieses Unternehmens, das vor fast 140 Jahren entstand. Sie ist außergewöhnlich, weil sich die Firma J. Eberspächer in der Welt der Globalisierung, der übernationalen Gesellschaften und unübersichtlichen Vermögensverhältnisse immer noch im Besitz der Familie befindet.
Gründer Jakob Eberspächer
Jakob Eberspächer kam am 23. April 1840 im württembergischen Esslingen im Süden Deutschlands zur Welt, wo die Familie seit dem 16. Jahrhundert lebte. Der Name Eberspächer kommt praktisch nur hier und in der Umgebung vor – in anderen Gebieten Deutschlands würden Sie ihn vermutlich vergebens suchen. Jakob lernte vier Jahre Klempner, wie es damals üblich war, und arbeitete dann als Maurergeselle an verschiedenen Orten in der Schweiz. Danach kehrte er zurück.
Im Jahre 1865 eröffnete er in Esslingen eine eigene Werkstatt, und heiratete Friederike Scharpf, die für die Firma in den folgenden Jahren bis zur Jahrhundertwende fast genauso wichtig war wie Jakob.

Jakob Eberspächer begann damit, Gießkannen, Wärmeflaschen fürs Bett, Abflussrohre und Dachrinnen herzustellen, um deren Verkauf sich die Gattin kümmerte. Es zeigte sich bald, dass sie einen guten Geschäftssinn hatte. Der junge Unternehmer war ein magerer, hochgewachsener Geselle. Mit seinen 195 Zentimetern entsprach er dem militärischen Maß nicht und wurde daher nicht eingezogen. Wer weiß, was mit ihm geschehen wäre, denn 1866 brach der Preußisch-Österreichische Krieg aus, in dem unter anderem auch Staaten des Deutschen Bundes gegen Preußen kämpften, so auch die eingezogenen Württemberger. Jakob Eberspächer konnte sich also weiter um das Handwerk und die Entwicklung der Werkstatt kümmern. In seinen Notizblock, der erhalten geblieben ist, schrieb er sein Kredo, an dem er festhielt: Kenntnisse, Fleiß, Sparsamkeit und Gottesfrucht.


Die Familie von Jakob Eberspächer im Jahre 1882.
1865 beschloss das Württembergische Parlament, das Eisenbahnnetz des Landes großzügig zu erweitern, was großen Einfluss auf Handel und Industrie hatte. In Württemberg vermehrten sich die Werkstätten und auch die Fabriken der aufkommenden Leichtindustrie, besonders Textilfabriken. Industriebauten wurden von Architekten aus England übernommen, inklusive des Systems der Glasdächer, das sich vielerorts bis heute erhalten hat. Die schräg ausgerichteten Scheiben dieser Dachfenster, deren Konstruktion und die Dichtung sind Regen und Schnee deutlich stärker ausgesetzt als klassische senkrechte Fenster. Dabei ist eine gute Abdichtung der Dachfenster unabdingbar, denn die Anlagen in den Fabrikhallen sind sehr teuer. In diesem Fall ist klassischer Kitt ungeeignet – nicht nur, weil er Witterungseinflüssen ausgesetzt ist, sondern auch, weil man damit nur bei Trockenheit arbeiten kann und Kitt auf feuchter Fläche nicht hält. Deshalb ging man in jener Zeit zu einer neuen Methode über; man fasste die Glasscheiben in einen Rahmen aus Blechsprossen ein. Dies ging schnell, effizient, die Fenster waren dicht und verglasen konnte man das ganze Jahr hindurch. Das bedeutete selbstverständlich eine neue Perspektive für Klempner, welche die Metallkonstruktion dieser Dachfenster anfertigten. Auch Jakob Eberspächer ergriff die Gelegenheit. Er war einer der besten seines Fachs und die Fertigung von Glasdächern für Industriebauten wurde für die nächsten langen Jahrzehnte zum tragenden Programm. Auch wenn sich die Konstruktionselemente später änderten und verbessert wurden – das Prinzip blieb gleich. Dank Qualität und Solidität arbeitete er sich Schritt für Schritt zu einem der größten Anbieter in Süddeutschland hoch.
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