Frühling, Sommer, Herbst, Wärme
"Ich kann mich sogar noch daran erinnern, dass wir im Winter jeweils aufgewärmte Ziegel mit auf den Weg nach Prag nahmen, auch in unser erstes Auto, das noch über keine Heizung verfügte. In der Klosterküche wurde vorher gemeldet, wie viele mitfahren, und die Küche musste eine entsprechende Anzahl Ziegel aufwärmen. Jeder erhielt dann einen mit auf den Weg. Den glühenden Ziegel packte man in einen Leinensack ein und stellte ihn zwischen die Beine, lange hielt sich die Wärme freilich nicht und danach stand der Ziegel nur im Weg. Heute braucht man im Auto bloß eine Taste zu betätigen und es ist warm."
Bohumil Vít Tajovský, Abt des Prämonstratenklosters Želiv, in seinem Erinnerungsbuch
„Der Mensch muss brennen“ („Člověk musí hořeti“, Torst, 2001).
Die Heizung vom Schneider

Das Inserat von Engelmüller in der Zeitschrift Sport a hry („Sport und Spiele“) vom 25. März 1908. Die Firma beteiligte sich an allen inländischen Autosalons, einschließlich der ersten bescheidenen Ausstellung im Februar 1904 auf der Insel Žofín (die „Slawen-Insel“) in Prag. Winter und Kälte waren für die Schneiderei ein gutes Geschäft.
Als im April 1906 auf dem Prager Autosalon das Jungbunzlauer Automobil L&K Voiturette Typ A seine Premiere erlebte, muss jeder ernsthafte Interessent daran gedacht haben, wie es sich wohl in einem solchen offenen Wagen fährt, sobald es kühler wird. Selbstverständlich eher unangenehm. Um die Fahrt wenigstens erträglich zu machen, stellte einige Stände weiter „die berühmte Lederwaren-Fabrik E. Engelmüller (Prag) Sportanzüge aus Leder nicht nur in praktischer, sondern auch eleganter Ausführung“ aus.

Bei der Ausrüstung für Fahrer und Reisende überboten sich nicht nur Schneiderwerkstätten. Auch Autofabrikanten begannen bald unterschiedlichste Frontscheiben, zusammenklappbare Dächer und lederne Seitenabdeckungen anzubieten. Erhältlich waren auch Planen, welche das gesamte Wageninnere abdeckten. Sie hatten nur Öffnungen, durch welche Automobilisten und Mitfahrer ihre Köpfe streckten, um sich vor Regen, Staub und Kälte zu schützen. Das Inserat des Automobilherstellers Laurin & Klement ist heute vor allen Dingen deswegen interessant, weil es „uns alle“ in automobilgemäßer Kleidung vorstellt. Auf dem Bild tragen alle Mütze oder Hut, Brille und Pelzmantel, oder zumindest einen Mantel mit Pelzkragen. Reisen im offenen Wagen jener Epoche bedeutete nichts anderes als sich auf eine Lausekälte vorzubereiten.

Mit der Wärme im Wagen hängt auch die bekannte tschechische Redewendung „postavit vůz na špalky“, deutsch soviel wie „den Wagen auf die Klötze“ stellen, zusammen, auch wenn heute im Gegensatz zu damals niemand mehr sein Auto auf Klötze stellt. Wenn der Herbst kam, stellten die Besitzer ihre Laurins, Pragas und Walters in der Garage ein. Die Achsen unterlegten sie mit Klötzen, damit der Wagen nicht auf den Reifen stand, und dann wartete man bis Mai, wenn die Sonne wieder wärmte.

Die Situation änderte sich erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts, als Autos mit geschlossener Karosserie die offenen Wagen zu verdrängen begannen.

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